Das Denkmal für den Lautertaler Ehrenbürger Max Liebster nimmt Gestalt an. Nach der Präsentation von fünf Vorschlägen fand jetzt die Jury eine salomonische Lösung, die die besten Ideen aus allen Arbeiten übernimmt, ohne dass ihr Favorit an Aussagekraft verliert. Das Denkmal soll neben der Sparkasse errichtet werden, wo früher das Elternhaus des Ehrenbürgers stand.

Frank Maus als Sprecher der Projektinitiative hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung des Denkmals angeregt. Vorschläge präsentierten einerseits Lehramtsreferendarinnen und  â€“refendare vom Studienseminar fĂĽr Grund-, Haupt- und Realschulen in Heppenheim unter der Leitung von Rektor Frank Maus und andererseits die zehnte Realschulklasse der Mittelpunktschule Gadernheim unter der Leitung von Konrektorin Karin Sauerbier. Die Gruppe des Studienseminars und die Realschulklasse der Mittelpunktschule hatten sich zuvor projektartig mit den Lebensinhalten Liebsters  sowie aktuellen Chancen der gesellschaftlichen Gestaltung im Sinne der Demokratie auseinandergesetzt. Ziel des Denkmals sollte somit die Erinnerung an Liebster sowie die zukunftsgerichtete Förderung einer demokratischen Grundhaltung sein. In der Felsenmeerschule, direkt gegenĂĽber dem kĂĽnftigen Denkmalstandort, wurden die Arbeiten nun vorgestellt.

Dabei ĂĽberzeugten gleich als erste die SchĂĽlerinnen Ajla Dzigal,  Kornelia Grzyb, Judith Reitz, Vivienne Chatzimawridis und Natascha Förster. Ihr Vorschlag war teilweise vom Holocaust-Denkmal in Berlin beeinflusst und zeigt in Form eines Davidsterns sechs Dreiecksäulen aus Reichenbacher Granit in unterschiedlicher Höhe. Der zweiten Gruppe mit Eva Seehaus, Franziska Schuster, Simone Eckel und Jessica Raab schwebte eine Friedenstaube vor, die sich aus einem von Stacheldraht umgebenden Konzentrationslager erhebt und befreit.

Die Lebensstationen Liebsters von Reichenbach über die 5 Konzentrationslager bis in die USA und schlussendlich Frankreich stellten Lara Wolf und Lena Marquardt auf einer siebeneckigen Säule vor. Hinzu sollten noch jüdische Symbole wie der Davidstern oder die Thora , sowie segnende Hände und die Friedenstaube erwähnt werden.

Stärker auf den Odenwald und das Felsenmeer ging die Arbeit der ersten Lehramts-Seminargruppe ein. Katharina Keil (Heinrich-Böll-Schule, FĂĽrth), Philipp BĂĽrger (Martin-Buber-Schule, Heppenheim) und Niels Keller (Langenbergschule, Birkenau) versuchten die Themen Felsenmeer in Reichenbach, Gefangenschaft in Nazi-KZ und Freiheit symbolisch miteinander zu verbinden. Das Modell erinnerte dabei in Teilen an einen Landschaftsgarten dessen Mittelpunkt eine BrĂĽcke als „Element des Zusammenwachsens“ und ein Baum war, der sich stetig wachsend von seiner Umklammerung löst, bzw. diese ĂĽberwältigt. Der zweite Vorschlag der Lehramtsreferendare wurde von Timm Clausen (Alexander-von-Humboldt-Schule, Viernheim) und Ausbilder Frank Maus vorgestellt. Mittelpunkt war ein mannshohes Modell des Elternhauses von Max Liebster, das durch seine Fenster Einblicke in Liebsters Leben gibt und gleichzeitig nachdenkliche Fragen an den Betrachter selbst stellt. Die Referendarin Antje Köhler war dabei leider aus gesundheitlichen GrĂĽnden verhindert.

Die fünfköpfige Jury mit dem Vorsitzenden der Arnold-Liebster-Stiftung, Uwe Klages, Bürgermeister Jürgen Kaltwasser, Rektor Thorsten Wiechmann, Thorsten Bitsch von der Sparkasse und Ortsvorsteher Heinz Eichhorn, arbeitete aus allen Vorschlägen die besten Ideen heraus. Grundlage des Denkmals sollen danach die Dreieckssäulen inmitten eines Davidsterns bilden. Auf ihnen werden Max Liebsters Lebensstationen, seine Lebens- und Glaubensmaxime, Versöhnungsarbeit als Basis seiner Lautertaler Ehrenbürgerschaft sowie demokratiebelebende Fragen an den Betrachter verewigt. Weiterhin werden durch konträre symbolische Akzente wie Stacheldraht sowie Friedentaube die Befreiung aus dem Konzentrationslager dokumentiert.

Die Besucher des Präsentationsabends, die Jury aber auch die Darbietenden selbst waren von der Fülle der Ideen überwältigt, was sich anhand des langen Applaus sowie dem gemütlichen Ausklang der Veranstaltung auf dem Schulhof zeigte. Hier wurden ganz im Sinne Max Liebsters zwischenmenschliche Kontakte zwischen Schülerinnen, den Referendaren sowie der Jury und Besuchern geknüpft.

Den Ergebnissen der Präsentation werden in den nächsten Wochen Gespräche mit der Sparkasse folgen, auch um Grundstücksfragen abschließend zu klären. Das Projekt selbst soll weitgehend mit Spendengeldern realisiert werden.

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