Geopark & Schule

Das Differenzierungsseminar bei Herrn Maus beschäftigt sich mit dem Geopark als Ressourcen-Pool außerschulischer Lernorte

Im Rahmen differenzierend-fächerübergreifender Lehrveranstaltungen des Studienseminars Heppenheim boten die Ausbilder Ulrich Domes und Frank Maus ein dreitägiges Seminar für Referendare mit dem Thema „Die Geopark-Region entdecken“ an. Ziel dieser Veranstaltung war es, das Konzept der überregionalen Initiative „Europäischer Geopark Bergstraße-Odenwald“ zunächst näher zu beleuchten, um anschließend zu erarbeiten, wie dies für schulische Bildung fruchtbar gemacht werden kann.

Um in die Thematik einzusteigen, empfingen die Referendare und Ausbilder Frau Dr. Jutta Weber vom Lorscher Geopark-Büro in der Martin-Buber-Schule in Heppenheim. Frau Dr. Weber verstand es in sehr anschaulicher Weise in die Konzeption des Geoparks sowie in die besondere Geologie einzuführen. So beschrieben ihre Ausführungen das besondere „geologische Erbe“ unserer Region und die pädagogischen Ansätze, mittels derer diese Informationen der hiesigen Bevölkerung nahe gebracht werden sollen. Dies gilt als ein übergeordnetes Ziel der Geopark-Initiative, um die Wertschätzung für die Natur zu vergrößern und somit zum Erhalt des geologischen Erbes beizutragen. Passend zum Motto des Geparks, „Zwischen Granit und Sandstein – Kontinente in Bewegung“, wurde der Referendargruppe anschließend noch das Ranger-Team-Programm des Geoparks vorgestellt. Die Ranger präsentieren an geologisch herausragenden Orten „Umwelterlebnisaktionen“, wie „Spurenlesen in der Landschaft“, „Überraschendes im scheinbar Älltäglichen entdecken“ oder auch „eigene Experimente wagen“. Diese und weitere Veranstaltungen richten sich in erster Linie an Wandertouristen, Kurzzeit-Tagesgäste in der Region sowie Schulen und andere Bildungseinrichtungen, um Natur erfahrbar zu machen.

Abschließend beleuchteten die Referendare die pädagogische Konzeption unter fachdidaktischen Gesichtspunkten, um eine Möglichkeit der Kooperation zwischen Geopark und Schulen zu entwickeln. In Anlehnung an die Lehrpläne wurde als Ergebnis fest gehalten, dass der Geopark ideale Ressourcen für fächerverbindendes Lernen bietet.

Zur Unterstützung des Geopark-Büros wurde das komplette Ranger-Angebot mit den aktuellen Lehrplänen der Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie Gymnasien verglichen. Daraus entstand ein Übersichtskatalog, der den Geopark-Verantwortlichen konkrete Bezugspunkte und Anknüpfungsmöglichkeiten für Kooperation mit Schulen bzw. Fachleitern und Lehrern aufzeigt. Dieser wird den Geopark-Initiatoren in den nächsten Tagen überreicht werden. Auch Frau Dr. Jutta Weber zeigte sich erfreut über die gute Zusammenarbeit mit dem Studienseminar Heppenheim: „Wir vom Geopark haben ihnen gerne unsere Konzeptionen vorgestellt. Umso positiver wiegt dabei die Erfahrung, dass sich die angehenden Lehrkräfte mit den Grundgedanken des Geoparks identifizieren. Für die Zukunft wünschen wir uns eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Studienseminar Heppenheim, da wir uns dieses ´besonderen Schlüssels´ in die schulpädagogische Arbeit sehr bewusst sind!

Referendare erkunden „Kontinente in Bewegung“

An einem zweiten Termin wurde die Referendargruppe mit ihren Ausbildern Ulrich Domes und Frank Maus vom Geopark-Ranger Dr. Carlo Dietl durch das Felsenmeer geführt. Dabei erfuhr die Gruppe eine ganze Menge über die Entstehung des Felsenmeeres, die vor etwa 300 Millionen Jahren begann. Sehr anschaulich wurde diese Entstehungsgeschichte durch das „Kontinantaldrift-Puzzle“ gemacht. Mit diesem Puzzle lässt sich darstellen, wie aus einem einzigen großen Kontinent zunächst der „old-red-continent“ und „Gondwana“ und schließlich alle unsere heutigen „kleinen“ Kontinente entstanden. „Auch gegenwärtig stehen die Kontinente nie still. Sie arbeiten und bewegen sich ständig. Deshalb kann das aktuelle Bild der Erde auch immer nur eine Momentaufnahme sein. Wer weiß, wie viele Kontinente wir in einigen Millionen Jahren haben werden ...?“, so ein Kommentar des Rangers Dietl. Der Oberrheingraben sowie der vordere Odenwald wurden dabei als eindrucksvolle Beispiele für elementare erdgeschichtliche Entwicklungen präsentiert.

An diese Ausführungen schloss sich ein kleiner Rundgang zu verschiedenen Resten späterer geschichtlicher Entwicklung im 2. und 3. Jahrhundert nach Christi an, den Herr Dr. Carlo Dietl zusammen mit dem Lehramtsausbilder Frank Maus für die Referendare durchführte. Während dessen wurden entsprechende Informationen zu den speziellen Problemen der Granitverarbeitung gegeben sowie die historiographisch einzigartige Bedeutung des römischen Steinbruches in Reichenbach für die Erforschung römischer Wirtschafts- und Technikgeschichte herausgestellt. Vergleichbares findet sich ansonsten nur in den ägyptischen Steinbrüchen der frühägyptischen Dynastien bzw. römischer Besatzungszeit als Provinz „Aegyptus“.

In einem zweiten Teil der Exkursion sollten die Referendare noch eine erlebnisorientierte Vorstellung von den verschiedenen Erdzeitaltern bekommen, um die Entstehungsgeschichte des Felsenmeeres besser einordnen zu können. Dazu fuhr die Gruppe angehender Lehrer nach Lorsch zu einem Gebäudekomplex des Weschnitzverbandes. Dort hatte der Ranger eine Zeitreise durch die verschiedenen Erdzeitalter vorbereitet. Bei dieser Zeitzug-Reise wurden die Referendare mit entsprechenden Kostümen ausgestattet und konnten aktiv mitspielen.

Untermalt wurde die Reise von einer Multimedia-Show. Auch einige Gegenstände aus dem jeweiligen Erdzeitalter wie z.B. Fossilien oder Vulkangestein machten das „Nacherleben“ ein Stück weit realistisch.

Am Ende der Exkursion sind sich alle Referendare darüber einig, dass derartige Geopark-Angebote eine sehr gute Ergänzung zum Schulunterricht darstellen. Gerade in Zeiten, in denen der Öffnung von Schule mit dem Ziel des ganzheitlichen Lernens immer mehr Bedeutung beigemessen wird, sollten sich Lehrer vermehrt überlegen, eine solche Exkursion in ihren Unterricht mit einzuplanen. Verknüpfen lassen sich diese Geopark-Führungen nachweislich mit vielen Schulfächern. Hierdurch wird das Erreichen wichtiger fachlicher Lernziele über den hochmotivierenden Zwischenschritt des erfahrungsorientierten Erlebens der hiesigen Region besonders gut möglich!

Im Anschluss an die geschilderten Erfahrungen entschloss sich die Gruppe der Referendare zusammen mit ihren Ausbildern die schulpädagogische Nutzung regionaler Besonderheiten noch wesentlich zu vertiefen. Als Ziel wurde vereinbart, eine „relativ unbekannte Perle“ der Bergstraße zu erkunden und zum Entwicklungsgegenstand eines ganzheitlich-erfahrungsorientierten Lernprojekts zu machen. Wenn diese Arbeiten fertig gestellt sind, möchte man das Lernkonzept über die Plattform des Studienseminars Heppenheim, das Geopark-Büro und die Stadt Bensheim allen interessierten Lehrern der Region zur Verfügung stellen.

Jens Frohnapfel, LAR Dietrich Bonhoeffer-Schule Rimbach

Marcel Otto, LAR Geschwister-Scholl-Schule Bensheim

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